Zahlen, Daten und Fakten zum Fahrradmarkt in Deutschland

Der Zweirad-Industrie-Verband e.V. (ZIV) ist die nationale Interessenvertretung und Dienstleister der deutschen und internationalen Fahrrad-Industrie. Mitglied im ZIV sind etwa 90 Hersteller und Importeure von Fahrrädern, Fahrradkomponenten, Zubehör und E-Bikes. Einmal im Jahr veröffentlicht der ZIV Zahlen, Daten und Fakten zum Fahrradmarkt in Deutschland. Laut dem heute veröffentlichten Bericht ist die Zahl der verkauften Fahrräder in Deutschland rückläufig, dagegen wird der Markt für E-Bikes in Deutschland immer größer.

Der Absatz an Fahrrädern und E-Bikes lag 2017 mit 3,85 Millionen Einheiten fünf Prozent unter dem Vorjahr. Darunter waren 3,13 Mio. Fahrräder und 0,72 Mio. E-Fahrräder. Zwei Jahre zuvor qwaren noch insgesamt 4,36 Mio. Räder verkauft worden, darunter 3,82 Mio. Fahrräder und 0,54 E-Bikes. Trotz der insgesamt gesunkenen Stückzahlen stieg der Fahrradumsatz auf 2,69 Milliarden Euro, im Jahre 2015 hatte der Gesamtumsatz noch bei 2,43 Milliarden Euro gelegen. Verantwortlich für die erneute Steigerung des Umsatzes ist der gestiegene durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrrad (inkl. E-Bikes). Dieser lag in 2017 bei € 698,- über alle Vertriebskanäle und damit um 8,6% höher als in 2016.

Auch die Produktion von Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland ist stark rückläufig. Hier die Zahlen der vergangegen drei Jahre:
2015: 2,19 Millionen Einheiten (1,88 Räder und 0,31 E-Bikes)
2016: 1,97 Millionen Einheiten (1,62 Räder und 0,35 E-Bikes)
2017: 1,73 Millionen Einheiten (1,26 Räder und 0,47 E-Bikes).

Die Zahl importierter Räder ist in den letzten drei Jahren in etwa gleich geblieben. Die meisten der in Deutschland verkauften Fahrräder wird in Kambodscha hergestellt, gefolgt von Polen, Bulgarien, den Niederlanden und Taiwan (siehe Grafik). Es zeigt sich allerdings, dass die Fahrradproduktion immer stärker von Hochtechnologieländer auf Niedrigtrechnologieländer verschoben wird. Taiwan zum Beispiel war vor fünf Jahren noch zweitgrößter Fahrradimporteur nach Deutschland, heute liegt der Inselstaat auf Platz fünf der wichtigsten Einfuhrländer.

Der Gesamtbestand an Fahrrädern und E-Bikes wächst langsam aber kontinuierlich. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland 73,5 Millionen Räder. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem jeder Einwohner statistisch gesehen ein Rad besitzt.

ZIV: Zahlen – Daten – Fakten zum Deutschen Fahrrad- und E-Bike-Markt 2017

Swaprad kommt nach Deutschland

Ein neues Fahrradverleihkonzept namens Swaprad kommt in diesem Jahr nach Deutschland. Vor drei Jahren gründeten drei Studenten von der TU Delft den Fahrradverleih Swapfiets. Für eine feste monatliche Gebühr von meist 15,- Euro erhalten Kunden ein Siebengangfahrrad mit Beleuchtung, zwei Schlössern und Versicherung. Erkennbar sind die Swapfiets an ihren leuchtend blauen Vorderrädern. Wenn ein geliehenes Fahrrad kaputt geht, kommt ein mobiles Reparaturteam innerhalb von 12 Stunden zum Kunden nach Hause, repariert das Rad oder stellt ein neues zur Verfügung. Wenn das Leihfahrrad gestohlen wird, zahlt der Kunde eine Selbstbeteiligung von 40,- Euro und erhält ebenfalls ein neues Swaprad. Das Abonnement ist flexibel und monatlich kündbar, es wird keine Kaution berechnet.

Mit diesem Konzept war Swapfiets in den Niederlanden erfolgreich und breitete sich auf insgesamt 14 Städte aus. Im vergangenen Jahr wuchs die Firma um 1600 Prozent. Jetzt wollen die Fahrradverleiher in Deutschland, Belgien und in Dänemark Fuß fassen. Ab diesem Frühjahr werden Swapräder in Antwerpen, Gent und Lüttich verfügbar sein. In welchen Städten Swapfiets in Deutschland antritt, ist nicht bekannt, aber es wird bereits nach Personal für das Regionalbüro Münster gesucht.

Swapfiets
Verkeersnet: Swapfiets breidt uit naar België, Duitsland en Denemarken

In den Niederlanden kooperieren Mietradbetreiber

Zehn Anbieter von Mietradflotten in den Niederlanden haben eine Zusammenarbeit beschlossen. Die Vereinbarung sieht vor, dass ab dem 1. Mai 2018 Mieträder der Konkurrenten auf der eigenen App sichtbar werden. Ein knappes Jahr später wird es ab dem 1. März 2019 möglich sein, dass Nutzer die Mieträder aller beteiligten Flotten mit einer einzigen App leihen und bezahlen können. Bislang ist es so, dass man für jeden einzelnen Mietradbetreiber eine eigene App installieren muss und einen Mindestbetrag auf das Konto des Betreibers einzahlen muss.

Die Partnerschaft besteht aus großen ausländischen Unternehmen wie Mobike aus China (aktiv in Rotterdam) und Donkey Republic aus Dänemark (bis vor kurzem in Amsterdam aktiv), aber auch aus kleinen lokalen Anbietern wie Cykl aus Wageningen und Haagsche stadfiets in Den Haag. Flickbike, Hello Bike (Zuidas) und Urbee (Elektrofahrräder) nehmen in Amsterdam teil.

Allerdings gibt es immer noch einige Mietradanbieter, die sich an der Koperation nicht beteiligen, darunter oBike aus Singapur und Ofo aus China. Dennoch hofft die Koooperation, dass sich weitere Anbieter anschließen.

nrc.nl: Deelfietsbedrijven gaan samenwerken: één account voor tien soorten fietsen
via: Cycling Professor

Schneller grün dank Wärmesensor

Der Kreekhuizenplein ist eine vierspurige Straße, die durch das Stadtzentrum von Rotterdam pflügt. Wegen nahegelegener Schulen wird diese Magistrale häufig von großen Gruppen von Schülern gekreuzt. An der zentralen Radfahrerkreuzung wurde nun ein Wärmesensor installiert, der große Schülergruppen erkennen kann. Der Sensor misst die Körperwärme der Radfahrer, die sich dem Kreuzungspunkt nähern.

Wenn große Gruppen von Radfahrern die Kreuzung befahren, verlängert sich die Grünphase für Radfahrer. Wenn sich viele Radfahrer während einer Rotphase vor dem Ampel befinden, wird die Radfahrergrünphase vorgezogen und die Rotphase der anderen Verkehrsteilnehmer verlängert.

Fietsberaad: Scholieren steken sneller over dankzij warmtesensor

Ergebnisse der Berliner Radzählstellen 2017

 

Seit dem Jahr 2012 baut die Verkehrslenkung Berlin im Auftrag der Senatsverwaltung für Verkehr ein Netz von automatischen Fahrradzählstellen auf. Mitte 2016 waren insgesamt 17 Messstellen in Betrieb, die seitdem täglich aktualisiert die Zahl der Radfahrer dokumentiert. Je länger die Messstellen arbeiten, desto größer ist die Aussagekraft der Messreihen.

Zehn der siebzehn Fahrradzählstellen arbeiten bereits seit mindestens Anfang 2016. In der folgenden Übersicht sind die Gesamtzahlen der registrierten Radfahrer in den Jahren 2016 und 2017 aufgeführt. Die Prozentangabe hinter dem Jahr 2017 zeigt die prozentuale Veränderung zum Jahr 2016 an.

Oberbaumbrücke
2016: 3.368.505
2017: 3.234.071 = 96,00 %

Jannowitzbrücke
2016: 2.805.433
2017: 2.656.222 = 94,68 %

Yorkstraße
2016: 1.673.243
2017: 1.626.008 = 97,17 %

Invalidenstraße
2016: 1.267.386
2017: 1.227.897 = 96,20 %

Momumentenstraße
2016: 1.288.107
2017: 1.146.112 = 88,97 %

Paul-und-Paula-Uferweg
2016: 1.094.086
2017: 1.070.484 = 97,84 %

Schwedter Steg
2016: 738.818
2017: 698.826 = 94,58 %

Prinzregentenstraße
2016: 433.617
2017: 421.674 = 97,24 %

Markstraße
2016: 341.118
2017: 357.853 = 104,90 %

Alberichstraße
2016: 177.336
2017: 169.596 = 95,63 %

Fast alle Messstellen haben einen Rückgang des Radverkehrs verzeichnet, nur an der Markstraße im Wedding gibt es ein leichtes Plus an Radfahrern.

Der Methusalem unter den automatischen Messstellen befindet sich am Schwedter Steg, einer Fußgänger- und Fahrradbrücke über das Gleisgewirr der S-, Regional- und Fernbahnen östlich des Bahnhofs Gesundbrunnen. Der Radverkehr wird an dieser Stelle schon seit April 2012 gemessen. Hier die Zahlen von 2013 bis 2017. Die Prozentangaben beziehen sich auf das Jahr 2015, in dem die meisten Radfahrer gezählt wurden. Im vergangenen Jahr wurden am Schwedter Steg 60.000 Radfahrer weniger gezählt, ein Rückgang von gut 8 % gegenüber 2015.

Schwedter Steg
2013: 642.252 = 82,09 %
2014: 756.840 = 99,53 %
2015: 760.377 = 100,00 %
2016: 738.818 = 97,16 %
2017: 696.826 = 91,64 %

Dass es dennoch verfrüht ist, von einem Rückgang des Radverkehrs zu sprechen, zeigen unter anderem die Schlüsselwerte der Radzählstellen. So liegt der Spitzentag bei fast allen Radzählstellen im vergangenen Jahr 2017. Allein sechs Messstellen (Oberbaum, Jannowitz, Maybach, York, Invaliden, Paul-und-Paula) weisen als stärksten Tag aller Zeiten den Mittwoch, 21. Juni 2017 aus und bei vielen Messtellen liegt auch die Spitzenwoche im Kalenderjahr 2017.

Verkehrslenkung Berlin: Fahrradzählstellen

Made in Langendreer

Mehr als 2.000 Stunden hat Helmut (Spargel) Schröder investiert, um ein Fahrrad aus Eibenholz zu bauen. Bereits die Suche nach geeignetem Holz war sehr aufwändig, weil Eibe in Deutschland unter Naturschutz steht und nicht einfach besorgt werden konnte. Fündig wurde Schröder schließlich auf den Komposthaufen großer Friedhöfe, wo er die richtigen Astgabeln aus Eibe fand, die er zum Bau des Fahrrads benötigte. Als das Eibenrad endlich fahrbereit war, waren mehr als zwei Jahre vergangen. Der Bochumer Filmemacher Eric Jobs hat die Entstehungsgeschichte des Holzfahrrads in 17 Minuten dokumentiert. Beim 12. Internationalen Festival des Fahrradfilms in Herne hat Jobs für den Film „Made in Langendreer“ den Großen Preis der Jury des ICFF und den Publikumspreis erhalten. Sehenwerter Film, der nur über den Direktlink bei Vimeo zu erreichen ist.

Film Made in Langendreer
12. Internationales Festiival des Fahrradfilms

Der „unsichtbare“ Fahrradabstellplatz

Wenn die Menschen mehr das Rad als städtisches Verkehrsmittel nutzen, dann brauchen sie mehr Fahrräder und vor allem mehr Fahrradabstellplätze. Auch wenn Stellplätze für Räder den großen Vorteil haben, viel weniger Raum einzunehmen als Stellplätze für Kraftfahrzeuge, schön sind sie nicht. Öffentlicher Raum mit vielen Fahrradständern wirkt häufig unübersichtlich und zugemüllt, selbst dann, wenn keine Fahrräder dort geparkt sind.

Die niederländische Designerin Milou Bergs hat nach Alternativen gesucht und den „unsichtbaren“ weil versenkbaren Fahrradständer Align entwickelt. In eine Aussparung im Boden wird das Vorderrad gedrückt. Eine Art Wippe schiebt daraufhin ein Gestänge nach oben, in die man Hinterrad einsetzt und abschließt. Nach Gebrauch des Fahrradständers verschwindet er komplett im Boden.

Milou Bergs
Fresh Gadgets: Nederlandse student ontwikkelt het perfecte fietsenrek
Business Insider Nederland: Dit slimme Eindhovense fietsenrek verdwijnt in de stoep als je het niet nodig hebt

FLO verbessert den Durchstrom von Radfahrern an Ampeln um vier Prozent

Im April haben wir hier im Blog einen niederländischen Verkehrsversuch namens „Flo“ vorgestellt, der das Ziel hat, den Radfahrerdurchfluss an Ampeln zu verbessern. Die Versuchsanlage besteht aus einem Radarsystem, das die Anzahl und Geschwindigkeit von Radfahrern erfasst und daraufhin versucht, die Ampelphase einer Kreuzung so zu verändern, dass mehr Radfahrer die Lichtzeichenanlge bei „Grün“ passieren können. Wenn es nicht möglich ist, die Ampelphase zu verändern, wird das den Radfahrern mit Hilfe von Infosäulen vermittelt, die etwa 120 Meter vor der betreffenden Ampel stehen. Die Radfahrer erhalten Hinweise auf ihre Fahrweise mittels Piktogrammen. Ein Hase bedeutet, dass man schneller fahren soll, ein erhobener Daumen zeigt an, dass die aktuelle Geschwindigkeit genau richtig ist, eine Schildkröte heißt, dass man seine Geschwindigkeit reduzieren soll und eine liegende Kuh bedeutet schließlich, dass man sich auf einen Stop an der nächsten roten Ampel einstellen kann.

Die Versuchsanlage in der Stadt Utrecht wurde von der Universität Utrecht in Zusammenarbeit mit dem Hersteller evaluiert. Die Daten zeigen, dass der Durchfluss an einer Ampel mit dem System Flo um etwa vier Prozent verbessert werden kann. Die Daten zeigen auch, dass der Durchfluss außerhalb der Spitzenzeiten noch stärker verbessert werden kann. Allerdings ist die Aussagekraft der Untersuchung begrenzt.

Auch die subjektive Zufriedenheit der Radfahrer scheint sich zu verbessern. Auch bvei diesem Punkt weisen die Forscher darauf hin, dass die Anzahl der Interviews zu niedrig war, um wirklich signifikante Ergebnisse zu erzielen.

Fietsberaad: FLO verbetert doorstroming met vier procent
Rad-Spannerei Blog: Radfahren mit Flo

20 Jahre Critical Mass Berlin

Die CM am morgigen Freitag feiert das 20-jährige Bestehen der Berliner Critical Mass. Am 26. September 1997 rollte ein erster Trupp von 20 Leuten durch die Stadt. Fünf Jahre früher hatte die erste CM weltweit in San Francisco stattgefunden.

Nach einem kurzem Aufschwung hielt sich die Berliner CM nicht wirklich lange. Bereits Ende der Neunziger bröckelten die Teilnehmerzahlen und 2001 wurde die Rundfahrt für einige Jahre eingestellt. Erst 2007 gab es einen neuen Versuch, die CM in Berlin zu einem monatlichen Radfahrer-Event zu machen. Die Teilnehmerzahlen waren damals noch recht übersichtlich. Auch Anfang diese Jahrzehnts war die Critical Mass in Berlin noch kein Massenereignis. Viel später als beispielsweise in Hamburg oder Wien mauserte sich die Berliner CM zu einem Ereignis, an dem Hunderte und später auch Tausende teilnahmen.

Wer heute mit der CM durch Berlin rollt und erlebt, wie die Polizei die Veranstaltung konstruktiv begleitet, der kann sich kaum vorstellen, dass das nicht immer so war. Noch Anfang dieses Jahrzehnts wurden Radler am letzten Freitag im Monat auf dem Heinrichplatz von der Polizei kontrolliert und mit einem Bußgeld überzogen, wenn ihr Fahrrad keine Reflektoren hatte. Und es kam auch vor, dass die CM von Polizeiautos eingekesselt wurde und danach aufgelöst wurde. Das ist heute glücklichlicherweise vorbei. Auf zur Geburtstags-CM am Freitag ab acht!

Critical Mass Berlin
Zeit: Freitag, 29. September 2017 ab 20:00 Uhr
Ort: Mariannenplatz, Kreuzberg

Oh diese Radler!

Exakt 98 Seiten voller Radfahrerkarikaturen und Velobildgeschichten versammelt ein Anfang des letzten Jahrhunderts erschienener Band mit dem Titel „Oh diese Radler!“. Unterbrochen werden die Bilderstrecken durch Witze und – nun ja – lustige Gedichte wie das vom modernen Erlkönig:

Wer radelt so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Es saust der Alte so schnell wie der Blitz,
Doch schwankt der Knabe auf schmalem Sitz.

„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“
„Siehst, Vater du den Schutzmann nicht?
Den Schutzmann dort mit dem Helm von Stahl?“
„Mein Sohn, es ist ein Laternenpfahl!“ (Seite 12f)

Nicht jeder gezeichnete Witz ist heute noch spaßig, nicht jedes Gedicht amüsant, aber man kann beim Durchblättern recht gut nachvollziehen, wie das Fahrrad vor mehr als hundert Jahren manches Weltbild zum Einsturz brachte.

Auf diese Perle der Fahrradliteratur macht wie auf viele weitere Fahrradquellen der Twitteraccount Radfahrerwissen aufmerksam. Dahinter steckt Jens Bemme, Veloimker sowie Tourenbuch- und Dorfbackofenforscher.

SLUB Dresden: Oh diese Radler!
Radfahrerwissen bei Twitter
Jens Bemme

In wie spitzem Winkel kann man auf dem Rad Straßenbahnschienen sicher überqueren?

Eines ist klar: wer mit dem Fahrrad Schienen im 90-Grad-Winkel überquert, fährt sicher. Wer dagegen in ganz spitzem Winkel über Schienen fährt, hat ein hohes Risiko, in den Schienen zu Fall zu kommen. Drei Forscher der University of Tennessee-Knoxville haben Fahrradunfälle auf Schienenübergängen systematisch untersucht. Dazu verwendeten sie Videoaufnahmen, die von einem Bahnübergang an einer vielbefahrenen vierspurigen Straße in Knoxville innerhalb von zwei Monaten im Jahr 2014 gemacht wurden. Die Straße hatte auf der einen Seite einen straßenbegleitenden Radweg. Im Untersuchungszeitraum wurde die Straße von 13.247 Radfahrern genutzt, darunter waren 9.521 Radfahrer, die auf dem Radweg in beiden Richtungen fuhren. Insgesamt passierten in der Zeit 53 Unfälle von Radfahrern bei der Schienenüberquerung. Die Forscher machten eine Zufallsauswahl von 100 erfolgreichen Schienenüberquerungen, verglichen sie mit den Alleinunfällen und suchten nach den Faktoren, die einen Fahrradunfall begünstigen. Das Ergebnis: je größer der Winkel bei der Überquerung von Schienen ist, desto sicherer ist es. Der Schwellenwert liegt bei etwa 30°. Weitere Faktoren, die einen Fahrradalleinunfall an Schienenübergängen begünstigen, sind nasse Fahrbahnen, Gruppenfahrten von mehreren Radfahrern und merkwürdigerweise auch das Geschlecht. Frauen verunglücken nach ihrer Untersuchung häufiger auf Schienenübergängen als Männer.

Was heißt das nun für Leute, die parallel an Straßenbahnschienen entlang fahren und hinüber wollen? Ich selbst habe immer noch Respekt vor Schienen und konzentriere mich, bevor ich entschlossen den Lenker herumreiße und in einer Art S-Form fahre, um in einem möglichst großen Winkel die Schien zu queren. Und ich hüte mich vor Stellen, an denen Schienen selbst abzweigen und man plötzlich eine Vielzahl von Schienen queren muss.

Journal of Transport & Health: Factors influencing single-bicycle crashes at skewed railroad grade crossings
Velojournal: Je steiler desto besser

Schweiz: Radfahren wird Teil der Verfassung

Seit 2015 will die schweizer Velo-Initiative erreichen, dass das Velofahren in der Bundesverfassung ebenso verankert wird wie das Wandern und zu Fuss gehen. Die Kantone sollen weiterhin zuständig sein und sich dabei auf übergeordnete Vorgaben abstützen. Der Vorschlag der Velo-Initiative sieht vor, den Artikel 88 der Schweizer Verfassung folgendermaßen zu verändern:

„Art. 88 Fuss-, Wander- und Velowege
1 Der Bund legt Grundsätze über Fuss- und Wanderwegnetze und über Netze für den Alltags- und Freizeit-Veloverkehr fest.
2 Er fördert und koordiniert Massnahmen der Kantone und Dritter zur Anlage und Erhaltung attraktiver und sicherer Netze und zur Kommunikation über diese; dabei wahrt er die Zuständigkeiten der Kantone.
3 Er nimmt bei der Erfüllung seiner Aufgaben Rücksicht auf solche Netze. Muss er dazugehörende Wege aufheben, so ersetzt er sie.“

Nachdem dieser Vorschlag von der Regierung lange abgelehnt worden war, hat die Landesregierzung auf ihrer heutigen Sitzung beschlossen, ihren direkten Gegenentwurf zur Veloinitiative in die parlamentarische Beratung zu geben. Die Velo-Initiative geht dem Bundesrat aber zu weit. Vor allem will er keine neuen finanziellen Verpflichtungen eingehen. Auch eine Vorschrift über die Sicherheit der Wander- und Velowege soll fallengelassen werden.

Velo-Initiative Schweiz
Velojournal: Bundesrat will das Velo in der Verfassung

Jubiläumsausgabe 25 der FahrradZukunft erschienen

Nicht monothematisch sondern mit einem bunten Themenmix aus vielen Bereichen kommt die neue pralle Ausgabe der FahrradZukunft daher. Das Schwerpunktthema „Radfahren mit Kindern“ der letzten Ausgabe vertieft der erste Beitrag mit dem Titel „Radfahren in der Schwangerschaft und mit Baby“. Anna Gering und Hannah Eberhardt stellen ihr dreijähriges Forschungsprojekt zu diesem Thema vor. Im zweiten Artikel wird Florian Keiper von der Berliner Fahrradbande befragt zum Projekt carEXIT, das Autofahrer von ihrer Sucht befreien will und sie animiert, auf das Rad umzusteigen.

In zwei weiteren Beirägen geht es um Lastenfahrräder, um das sehr leichte Lastenrad Libelle und um das Bastiaen Cargo, ein Lastenrad mit Achsschenkellenkung. W. David stellt eine Lösuing vor, Getränkekisten auf dem Rad zu transportieren und Ralf Kusmierz experimentiert mit zwei übereinander montierten Mänteln für hoch beanspruchte Fahrradreifen. Markus Stüdeli untersucht schließlich, ob sich das Faltrad als Pendlerrad eignet. „Auto als Waffe“ ist das Stichwort von Martin Herrndorf in seinem Aufsatz über motorisierte Gewalt.

FahrradZukunft 25

Kinderfahrradfinder

Ein Fahrradkauf ist keine einfache Angelegenheit. Wer ein falsches Fahrrad kauft, kann schnell den Spaß am Radfahren verlieren. Nicht anders ist es, wenn man vor der Frage steht, das richtige Kinderrad zu kaufen. Auch in diesem eher kleinen Fahrradsegment ist die Auswahl groß und es nicht so einfach, das optimale Rad für eine noch wachsende Person zu finden.

Hier kommt der Kinderfahrradfinder ins Spiel. Kinderfahrradfinder hat den Markt für Kinderräder durchforstet und sich auf jene Hersteller beschränkt, die leichte und höherwertige Kinderfahrräder anbieten. Insgesamt 34 besondere Marken und knapp 250 Kinder- & Jugendfahrräder werden gelistet, vom Laufrad bis zum ersten Rennrad oder Mountainbike.

Anhand der aktuellen Körpergröße deines Kindes und optimalerweise auch seiner Innenbeinlänge lässt sich schnell das Segment geeigneter Räder für dein Kind ermitteln. Aber man kann auch nach anderen Kriterien die Suchergebnisse filtern, nach Laufradgröße etwa oder Gewicht oder der Frage, ob eine Lichtanlage am Kinderrad vorhanden ist oder sich zumindest nachrüsten lässt.

Ergänzt wird die Seite durch ein Kinderfahrradblog, der sich auch als Ratgeber versteht. Hier werden Fragen zum Kinderfahrradkauf grundsätzlicher diskutiert, etwa die, ob ein Kindervelo mit Rücktrittbremse wirklich geeignet ist.

Kinderfahrradfinder

Copenhagenize Bicycle Friendly Cities Index 2017

Heute um 15:00 Uhr wurde die neue Bestenliste des „Copenhagenize Bicycle Friendly Cities Index 2017“ veröffentlicht. Dieses von Copenhagenize erstelle Ranking fahrradfreundlicher Städte weltweit wurde nach 2011, 2013 und 2015 zum vierten Mal durchgeführt.

Die Siegerstadt kommt traditionell entweder aus den Niederlanden oder aus Dänemark. Nach zwei zweiten Plätzen und dem Sieg beim letzten Ranking kann sich Kopenhagen auch 2017 als fahrradfreundlichste Metropole der Welt schmücken. Amsterdam, das in den vergangenen Indizes immer der härteste Konkurrent Kopenhagens war, fiel in der aktuellen Rangliste auf Platz drei zurück. Das bot Utrecht aus den Niederlanden die Chance, sich den zweiten Platz in der Rangordnung zu greifen.

Berlin hat seinen Platz im Mittelfeld der Wertung konsolidieren können. Nach Platz 5 in der Wertung von 2011 war Berlin auf Platz 10 (2013) und schließlich auf Platz 12 (2015) durchgereicht worden. Nun hat Berlin wieder zwei Plätze gut gemacht und liegt auf dem zehnten Platz von insgesamt 20 Großstädten weltweit. Die Begündung liest sich wie ein Lobgesang auf Volksentscheid Fahrrad und wie Vorschusslorbeeren für die Verkehrspolitik von Rotrotgrün: „Berlins Aufstieg ist zum großen Teil einem außergewöhnlichen Aktivismus geschuldet. Der Volksentscheid Fahrrad ist die Antwort auf ein einzigartigesa Werkzeug im demokratischen Rahmen der Stadt. … Die Gruppe zeigt, wie moderner Aktivismus sein sollte und überall sein könnte.

Glücklicherweise kam eine neue Regierung an die Macht, die ihren Fokus auf die Mobilität und nachhaltigen Verkehr legt. … Was passiert, ist allerdngs noch nicht auf der Straße zu sehen.“

Copenhagenize Bicycle Friendly Cities Index 2017