Senat veröffentlicht Endbericht zu Radschnellwegen in Berlin

Kreuzberg und Neukölln sind die Gewinner der zweiten Runde beim Rennen um Radschnellwege in Berlin. Der Senat hat sich vorgenommen, bis zum Ende dieser Legislatur 100 Kilometer Radschnellwege in Berlin auf den Weg zu bringen. In einer ersten Machbarkeitsstudie von Februar 2017 wurden 30 potenteille Trassenkorridore untersucht und bewertet. Es kristallisierten sich 12 Radschnellverbindungen heraus, die das gößte Potential haben. Im gestern veröffentlichten Endbericht werden diese 12 Verbindungen mit Zensuren bewertet und in eine Reihenfolge gebracht. Nun soll noch in diesem Jahr für die beiden besten Radschnellwege Machbarkeitsstudien erstellt werden.

Auf Platz eins im Ranking liegt eine Fahrradschnellverbindung zwischen dem Franz-Körner-Kiez und dem Südstern. Der „Trassenkorridor 27“, wie er in der Sprache der Senatsverwaltung liebevoll genannt wird, führt von der Rungiusstraße in Neukölln nach Norden, verschwenkt nach Westen entlang der A100 und führt dann weiter nach Norden entlang des Tempelhofer Feldes, quert den Volkspark Hasenheide und führt parallel der Straße Hasenheide bis zum Südstern. Diese 6,1 Kilometer lange Strecke erreicht die besten Werte in Punkto Reisezeitgewinn und hat das größte Verlagerungspotenzial vom MIV und ÖPNV in Richtung Fahrrad.
Statt sich 24 Minuten durch die Hermannstraße zu quälen soll die Strecke über die Schnellverbindung in 16 Minuten mit dem Rad zu bewältigen sein. Eine erste Kostenschätzung ergab, dass die Realisierung diese Strecke 1.721.800,- € teuer wird, das sind deutlich weniger als 300.000,- € pro Kilometer.

Ein sehr großer Vorteil dieser Radschnellverbindung liegt darin, dass sie recht bequem mit zwei weiteren potentiellen Schnellverbindungen zu vereinigen ist. Der Betriebsweg, der zwischen der A 113 und dem Neuköllner Schiffahrtskanal verläuft, und der zukünftige Betriebsweg der gerade gebauten A100, können mit dem oben vorgstellten Schnellweg verbunden werden. Zentrales Glied dieser drei Radschnellwege wäre eine Brücke über den Britzer Zweigkanal, die die drei Schnellwege miteinander verbindet. „Im Koalitionsvertrag sind die Planung und der Bau der Brücke bereits festgelegt. So wäre eine durchgehende Radschnellverbindung
von Adlershof bis nach Treptow und bis zum Südstern möglich“ (Endbericht Potentaluntersuchung, Seite 20). Alle drei Fahrradtrassen bilden zusammen die so genannte „Y-Trasse“, auf der Karte ist sie in grün rechts unten zu sehen.

Wenn die Machbarkeitsuntersuchungen für die Y-Trasse abgeschlossen ist, werden weitere potentielle Radschnellwege auf ihre Machbarkeit untersucht, zum Beispiel eine Trasse zwischen Mitte und Spandau, ein Radschnellstraße auf dem Königsweg-Kronprinzessinnenweg sowie die Schnellverbindung mit dem Namen Panke-Trail, die den Berliner Nordosten an die Innenstadtbezirke anschließt. Nicht weiter untersucht wird dagegen eine mögliche Verbindung auf der Potsdamer Stammbahn. Wenn wie vorgesehen im übernächsten Jahrzehnt die Stammbahn wieder reaktiviert wird, ist für eine Fahrradverbindung auf dieser Strecke kein Platz mehr.

Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet – Zwischenstand (Februar 2017)
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet – Endbericht (September 2017)
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet – Machbarkeitsstudie Potsdamer Stammbahn (September 2017)

3 Gedanken zu „Senat veröffentlicht Endbericht zu Radschnellwegen in Berlin

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  1. Mir als Lichtenberger fällt natürlich auf, dass im Osten eine Lücke klafft. Das ist sicherlich dem derzeitigen Radverkehrsaufkommen geschuldet und insofern verständlich. Perspektivisch würde ich mir natürlich wünschen, dass nicht nur dem aktuellen Bedarf hinterhergeplant wird, sondern auch Angebote gemacht werden, die dann zu mehr Radverkehr führen, getreu dem Motto, wer Radwege sät, wird Radverkehr ernten. Aber soweit sind wir ja noch nicht.

    1. Als Kreuzberger profitiere ich potentiell von den Plänen, finde aber, daß gerade im Osten und am Stadtrand Nachholbedarf besteht. Der Senat sollte sich eigentlich besser darauf konzentrieren, aber das geht aus machtpolitischen Gründen nicht. Der Gegenwind der CDU/F.D.P./AfD/ADAC/RyanAir-Auto-und-Flugzeug-Lobby ist stark. Der Senat muß also „erfolgreiche“ Radschnellwege vorweisen können und das ist im Südosten wahrscheinlicher. Ärgerlich, aber verständlich.

  2. Der favorisierte Korridor 27 ist 100% exakt mein Weg zur Arbeit, von der Kita in die Körtestrasse 🙂 …abgesehen von den vielen rechts vor links Situationen in der Rungiusstr auch heute schon ein schöner Weg in die Stadt.

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