FLO verbessert den Durchstrom von Radfahrern an Ampeln um vier Prozent

Im April haben wir hier im Blog einen niederländischen Verkehrsversuch namens „Flo“ vorgestellt, der das Ziel hat, den Radfahrerdurchfluss an Ampeln zu verbessern. Die Versuchsanlage besteht aus einem Radarsystem, das die Anzahl und Geschwindigkeit von Radfahrern erfasst und daraufhin versucht, die Ampelphase einer Kreuzung so zu verändern, dass mehr Radfahrer die Lichtzeichenanlge bei „Grün“ passieren können. Wenn es nicht möglich ist, die Ampelphase zu verändern, wird das den Radfahrern mit Hilfe von Infosäulen vermittelt, die etwa 120 Meter vor der betreffenden Ampel stehen. Die Radfahrer erhalten Hinweise auf ihre Fahrweise mittels Piktogrammen. Ein Hase bedeutet, dass man schneller fahren soll, ein erhobener Daumen zeigt an, dass die aktuelle Geschwindigkeit genau richtig ist, eine Schildkröte heißt, dass man seine Geschwindigkeit reduzieren soll und eine liegende Kuh bedeutet schließlich, dass man sich auf einen Stop an der nächsten roten Ampel einstellen kann.

Die Versuchsanlage in der Stadt Utrecht wurde von der Universität Utrecht in Zusammenarbeit mit dem Hersteller evaluiert. Die Daten zeigen, dass der Durchfluss an einer Ampel mit dem System Flo um etwa vier Prozent verbessert werden kann. Die Daten zeigen auch, dass der Durchfluss außerhalb der Spitzenzeiten noch stärker verbessert werden kann. Allerdings ist die Aussagekraft der Untersuchung begrenzt.

Auch die subjektive Zufriedenheit der Radfahrer scheint sich zu verbessern. Auch bvei diesem Punkt weisen die Forscher darauf hin, dass die Anzahl der Interviews zu niedrig war, um wirklich signifikante Ergebnisse zu erzielen.

Fietsberaad: FLO verbetert doorstroming met vier procent
Rad-Spannerei Blog: Radfahren mit Flo

Fahrradstadt Berlin?

Die Plattform „Berliner Großstadtgeschichten“ ist ein Projekt der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und präsentiert Berlin-bezogene digitalisierte Geschichten und Erinnerungsstücke. Die neueste Ausgabe heißt „Fahrradstadt Berlin?“. Anläßlich des 200. Geburtstages des Fahrrads haben sich Studierende des Center for Metropolitan Studies der TU Berlin im Sommer 2017 in Bibliotheken, Bildarchiven und unter Zeitzeugen auf Spurensuche begeben. Hier präsentieren sie die Geschichten zu ihren vielfältigen Fundstücken aus über 130 Jahren rund ums Fahrradfahren in Berlin.

Herausgekommen ist ein buntes Kaleidoskop von fahrradbezogenen Berlin-Stories, von der ersten Fahrradzeitung Deutschlands, die ab 1881 in Berlin erschien, von einer Fahrrad-Umwelt-Demonstration in Ost-Berlin im Jahre 1982 (siehe Foto) über einen Wettbewerb für einen neuen Fahrradständer im Jahre 1988 in Moabit bis hin zur Berliner Sternfahrt. Dreizehn kurze Geschichten über das Fahrrad in Berlin, die zeigen, wie verwoben die Berlingeschichte mit dem Rad ist.

ZLB: Fahrradstadt Berlin?

Berliner Fahrradstaffel soll vergrößert werden

Seit dem Juli 2014 ist in Berlin eine Fahrradstaffel in einem eng begrenzten Innenstadtbereich unterwegs. 20 Polizeibeamte auf 20 Treckingbikes kontrollieren den Verkehr im Gebiet zwischen Reichstag und Alexanderplatz sowie zwischen und Tor- und Leipziger Straße, verteilen Tickets für Radwegparker, lassen auch schon mal ein KfZ umsetzen und sanktionieren radfahrende Rotlichtsünder. Nach dem Abschluss der dreijährigen Testphase im Juli dieses Jahres wurde beschlossen, dass die Polizisten der Fahrradstaffel weiterhin in der City unterwegs sind. Begündung: „Die Staffel steigert die Verkehrssicherheit, verringert Unfälle und sorgt für mehr regelgerechtes Verhalten, sowohl von Autofahrern als auch von Radfahrern“, so die Unfallforschung der Versicherer, die den Modellersuch wissenschaftlich begleitete. Auch der ADFC ist von der Fahrradstaffel angetan und fordert eine Ausweitung auf insgesamt 100 Fahrradpolizisten.

Nun berichtet die Morgenpost, dass die Fahrradstaffel ausgebaut werden soll. In diesem Herbst soll die abschließende Evaluation der Staffel der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Bei dieser Gelegenheit soll nach Informationen der Zeitung die Ausweitung verkündet werden. Die Rede ist davion, das Einsatzgebiet auf die Westcity zu erweitern und das radfahrende Personal aufzustocken. Die Mopo: „Über die exakte Zahl der Personalaufstockung herrscht indes noch keine Einigkeit. Genaue Pläne sollen aber in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden.“

Berliner Morgenpost: Die Berliner Fahrradstaffel wird ausgebaut

20 Jahre Critical Mass Berlin

Die CM am morgigen Freitag feiert das 20-jährige Bestehen der Berliner Critical Mass. Am 26. September 1997 rollte ein erster Trupp von 20 Leuten durch die Stadt. Fünf Jahre früher hatte die erste CM weltweit in San Francisco stattgefunden.

Nach einem kurzem Aufschwung hielt sich die Berliner CM nicht wirklich lange. Bereits Ende der Neunziger bröckelten die Teilnehmerzahlen und 2001 wurde die Rundfahrt für einige Jahre eingestellt. Erst 2007 gab es einen neuen Versuch, die CM in Berlin zu einem monatlichen Radfahrer-Event zu machen. Die Teilnehmerzahlen waren damals noch recht übersichtlich. Auch Anfang diese Jahrzehnts war die Critical Mass in Berlin noch kein Massenereignis. Viel später als beispielsweise in Hamburg oder Wien mauserte sich die Berliner CM zu einem Ereignis, an dem Hunderte und später auch Tausende teilnahmen.

Wer heute mit der CM durch Berlin rollt und erlebt, wie die Polizei die Veranstaltung konstruktiv begleitet, der kann sich kaum vorstellen, dass das nicht immer so war. Noch Anfang dieses Jahrzehnts wurden Radler am letzten Freitag im Monat auf dem Heinrichplatz von der Polizei kontrolliert und mit einem Bußgeld überzogen, wenn ihr Fahrrad keine Reflektoren hatte. Und es kam auch vor, dass die CM von Polizeiautos eingekesselt wurde und danach aufgelöst wurde. Das ist heute glücklichlicherweise vorbei. Auf zur Geburtstags-CM am Freitag ab acht!

Critical Mass Berlin
Zeit: Freitag, 29. September 2017 ab 20:00 Uhr
Ort: Mariannenplatz, Kreuzberg

Senat veröffentlicht Endbericht zu Radschnellwegen in Berlin

Kreuzberg und Neukölln sind die Gewinner der zweiten Runde beim Rennen um Radschnellwege in Berlin. Der Senat hat sich vorgenommen, bis zum Ende dieser Legislatur 100 Kilometer Radschnellwege in Berlin auf den Weg zu bringen. In einer ersten Machbarkeitsstudie von Februar 2017 wurden 30 potenteille Trassenkorridore untersucht und bewertet. Es kristallisierten sich 12 Radschnellverbindungen heraus, die das gößte Potential haben. Im gestern veröffentlichten Endbericht werden diese 12 Verbindungen mit Zensuren bewertet und in eine Reihenfolge gebracht. Nun soll noch in diesem Jahr für die beiden besten Radschnellwege Machbarkeitsstudien erstellt werden.

Auf Platz eins im Ranking liegt eine Fahrradschnellverbindung zwischen dem Franz-Körner-Kiez und dem Südstern. Der „Trassenkorridor 27“, wie er in der Sprache der Senatsverwaltung liebevoll genannt wird, führt von der Rungiusstraße in Neukölln nach Norden, verschwenkt nach Westen entlang der A100 und führt dann weiter nach Norden entlang des Tempelhofer Feldes, quert den Volkspark Hasenheide und führt parallel der Straße Hasenheide bis zum Südstern. Diese 6,1 Kilometer lange Strecke erreicht die besten Werte in Punkto Reisezeitgewinn und hat das größte Verlagerungspotenzial vom MIV und ÖPNV in Richtung Fahrrad.
Statt sich 24 Minuten durch die Hermannstraße zu quälen soll die Strecke über die Schnellverbindung in 16 Minuten mit dem Rad zu bewältigen sein. Eine erste Kostenschätzung ergab, dass die Realisierung diese Strecke 1.721.800,- € teuer wird, das sind deutlich weniger als 300.000,- € pro Kilometer.

Ein sehr großer Vorteil dieser Radschnellverbindung liegt darin, dass sie recht bequem mit zwei weiteren potentiellen Schnellverbindungen zu vereinigen ist. Der Betriebsweg, der zwischen der A 113 und dem Neuköllner Schiffahrtskanal verläuft, und der zukünftige Betriebsweg der gerade gebauten A100, können mit dem oben vorgstellten Schnellweg verbunden werden. Zentrales Glied dieser drei Radschnellwege wäre eine Brücke über den Britzer Zweigkanal, die die drei Schnellwege miteinander verbindet. „Im Koalitionsvertrag sind die Planung und der Bau der Brücke bereits festgelegt. So wäre eine durchgehende Radschnellverbindung
von Adlershof bis nach Treptow und bis zum Südstern möglich“ (Endbericht Potentaluntersuchung, Seite 20). Alle drei Fahrradtrassen bilden zusammen die so genannte „Y-Trasse“, auf der Karte ist sie in grün rechts unten zu sehen.

Wenn die Machbarkeitsuntersuchungen für die Y-Trasse abgeschlossen ist, werden weitere potentielle Radschnellwege auf ihre Machbarkeit untersucht, zum Beispiel eine Trasse zwischen Mitte und Spandau, ein Radschnellstraße auf dem Königsweg-Kronprinzessinnenweg sowie die Schnellverbindung mit dem Namen Panke-Trail, die den Berliner Nordosten an die Innenstadtbezirke anschließt. Nicht weiter untersucht wird dagegen eine mögliche Verbindung auf der Potsdamer Stammbahn. Wenn wie vorgesehen im übernächsten Jahrzehnt die Stammbahn wieder reaktiviert wird, ist für eine Fahrradverbindung auf dieser Strecke kein Platz mehr.

Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet – Zwischenstand (Februar 2017)
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet – Endbericht (September 2017)
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet – Machbarkeitsstudie Potsdamer Stammbahn (September 2017)

Köpenick: rechtsabbiegender LKW tötet Radfahrerin

Heute starb wieder eine Radfahrerin unter den Rädern eines rechtsabbiegenden LKWs. Der Unfall ereignete sich um 11.40 Uhr an der Kreuzung Oberspreestraße und Grünauer Straße in Köpenick. Der LKW soll von der Oberspreestraße gekommen sein und wollte nach rechts in die Grünauer Straße abbiegen. Bei der Radfahrerin soll es sich um eine 75-jährige Frau handeln. Die Lokalpresse meldete, dass drei Personen am Unfallort einen Schock erlitten.

Pressemeldung der Berliner Polizei: Radfahrerin stirbt nach Verkehrsunfall

Update 19. September 2017 18:00 Uhr:

Der ADFC und Volksentscheid Fahrrad werden am Mittwoch, dem 20. September um 19:00 Uhr eine Mahnwache an der Kreuzung Oberspreestraße und Grünauer Straße durchführen und ein Mahnrad aufstellen.

Wie fahrradfreundlich ist die Berliner Regierung?

Gestern vor einem Jahr fand die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin statt, die zur Bildung der rot-rot-grünen Koalitionsregierung führte. Bestandteil des Koalitionspakets war eine neue Radverkehrspolitik, von der allerdings bisher kaum etwas Schrägstrich nichts auf der Straße angekommen ist.

Wie beurteilt die Berliner Bevölkerung zwölf Monate nach der Wahl die Fahrradfreundlichkeit der Landesregierung? Zufälligerweise wurde gestern auch der Fahrrad-Monitor 2017 für Deutschland veröffentlicht. Der Fahrrad-Monitor erhebt alle zwei Jahre das subjektive Stimmungsbild der Radfahrenden in Deutschland. Die Bürgerinnen und Bürger wurden von der Sinus Markt- und Sozialforschung GmbH im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums befragt. Der Fahrrad-Monitor wird im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2020 vom Verkehrsministerium gefördert. Die Erhebung fand – nach 2013 und 2015 – 2017 zum dritten Mal statt. Immerhin mehr als 3.000 Deutsche zwischen 14 und 69 Jahren wurden befragt.

Eine Frage (Seite 63 der Langversion) lautete: „Würden Sie Ihre Landesregierung grundsätzlich als fahrradfreundlich einstufen?“ Und so stuften die Befragten ihre jeweiligen Regierungen ein:

Berlin landet im Ranking der fahrradfreundlichen Regierungen auf Platz sieben, belegt also einen Mittelplatz. Eine Schulnote „1“ gaben vier Prozent der Berliner Befragten. Da 303 Leute in Berlin online befragt wurden, waren es immerhin zwölf Leute, die dem Land die beste Zensur bescheinigten. 16 Prozent vergaben eine „2“ und 39 Prozent gaben die Note „3“. Insgesamt 41 Prozent der Befragten benoteten die Fahrradfreundlichkeit Berlins mit „4“ oder schlechter (Note „4“: 24 %, Note „5“: 10 %, Note „6“: 7 %).

Fazit: auch wenn sich der Berliner Senat eine fahrradfreundliche Politik auf die Fahnen geschrieben hat, ist das bei der Bevölkerung noch nicht angekommen.

Bundesministerium für Verkehr: Fahrrad-Monitor 2017
Fahrradportal: Fahrrad-Monitor 2017 für Deutschland veröffentlicht

Stagniert der Radverkehr in Berlin?

Ein beliebtes verkehrspolitisches Statement bei der Berlinwahl vor einem Jahr war, dass der Radverkehrsanteil in Berlin von Jahr zu Jahr zunimmt, nicht wegen sondern trotz der schlechten Politik des alten Senats.

Um die Mobilitätswahl der Berliner Bevölkerung einzuschätzen, führt die Universität Dresden im Auftrag des Senats alle fünf Jahre eine Haushaltsbefragung der Bevölkerung durch. Zuletzt fand diese Umfrage im Jahre 2013 statt und ergab, dass durchschnittlich 13 Prozent aller Wege in Berlin mit dem Fahrrad erledigt werden. Fünf Jahr früher im Jahre 2008 lag dieser Wert bei zehn Prozent.

Um noch genauere Werte zu erhalten, wurden seit 2012 nach und nach automatische Radzählstellen in der Stadt installiert. Zur Zeit werden an 17 Stellen im Stadtgebiet die Radfahrer gezählt und tagesaktuell im Netz veröffentlicht. Je länger diese Zählstellen in Betrieb sind, desto längere Messreihen liegen vor und desto besser lässt sich einschätzen, wie sich der Radverkehr in Berlin über die Jahre quantitativ entwickelt.

Ist der Fahrradverkehr 2017 im Vergleich zu 2016 angestiegen? Dazu habe ich der Vergleichbarkeit wegen die Zahlen vom 1. Januar bis zum 18. September eines jeden Jahres ermittelt. Hier die Zahlen von 10 Radzählstellen in absteigender Reihenfolge:

Zählstelle 2016 2017 Prozent
Oberbaumbrücke 2.560.219 2.441.236 95,38 %
Jannowitzbrücke 2.121.836 1.990.498 93,81 %
Yorkstraße 1.277.183 1.227.603 96,11 %
Invalidenstraße 954.721 914.771 95,81 %
Monumentenstraße 981.084 865.249 88,19 %
Paul-und-Paula-Uferweg 852.740 825.345 96,78 %
Schwedter Straße 562.101 527.964 93,92 %
Prinzregentenstraße 326.030 314.781 96,54 %
Markstraße 264.307 268.158 101,45 %
Alberichstraße 133.835 128.446 95,97 %
Summen 10.034.056 9.504.051 94,71 %
.      

Das zeigt einen deutlichen Rückgang der registrierten Fahrräder 2017 gegenüber 2016. An der Oberbaumbrücke wurden in absoluten Zahlen in diesem Jahr 120.0000 weniger als 2016 gezählt, an der Jannowitzbrücke waren es 130.00 Radfahrer weniger. Das Minus an der Yorkstraße lag bei etwa 50.000 und an der Monumentenstraße bei ungefähr 110.00 Radfahrern. Einziger Ausreißer ist die Radzählstelle Markstraße in Wedding. Hier wurden 2017 knapp 4.000 Radfahrer mehr gezählt als 2016 im gleichen Zeitraum. An allen Zählstellen zusammengerechnet lag das absolute Minus bei 530.000 Fahrrädern oder 5,29 Prozent.

Wieso wurden nur zehn Radzählstellen betrachtet und nicht alle siebzehn? Manche Radzählstellen wurden erst im Laufe des Jahres 2016 scharf geschaltet und deshalb können die Zahlen beider Jahre nicht verglichen werden. Andere Radzählstellen wie der Kaisersteg sind zwei Wochen ausgefallen, sodass auch hier keine Vergleichbarkeit gewährleistet ist.

Verkehrslenkung Berlin: Fahrradzählstellen

Kidical Mass, die erste Berliner Kinder-CM

Auf den gewöhnlichen CMs am letzten Freitag im Monat fahren wenig und wenn überhaupt, nur ältere Kinder mit. Die relativ späte Abfahrtzeit lässt es nicht zu.

Umso richtier ist es, auch mit Kids auf Rädern die Straße zu erorbern, denn den Kindern gehört die Straße genauso wie den Menschen ohne Auto. Deshalb hat das Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln die Berliner Version einer Kidical Mass ins Leben gerufen. Am kommenden Sonnabend könnt ihr einmal zusammen mit Kindern auf der Straße Fahrrad fahren – mit Laufrad, Kinderrad, Anhänger oder Familienlastenrad.

Die Kidical Mass wird eine angemeldete Demo sein, so dass wir sicher und abgeschirmt vom Kfz-Verkehr fahren können. Unsere Tour geht durch Neukölln und Kreuzberg bis zum Görli, wo im Anschluss auch die ADFC-Kreisfahrt 2017 mit dem Motto „Radgesetz statt Rumdieseln!“ weitergefahren werden kann.

Das Fahrttempo wird langsam sein und vielleicht hat ja der ein oder die andere auch Musik, Seifenblasen und sonstige Deko dabei, die das Ganze nicht nur für die Kinder noch ein bisschen bunter und schöner machen.

Ort: Weichselplatz, Neukölln
Zeit: Sonnabend, 16. September 2017 von 12:00 bis 14:30 Uhr

Facebook-Event: Kidical Mass Berlin

15. bis 17. Sept. 2017: CycleHack Berlin

Nach der supererfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr wird es am übernächsten Wochenende eine zweite Ausgabe des CycleHacks Berlin geben, wieder im FabLab auf dem Gelände der Bötzowbrauerei in Prenzlauer Berg. Die Idee ist, dass Fahrradschrauber, Designer, Aktivisten, Programmierer und viele andere 48 Stunden Ideen und Prototypen entwickeln, um die alltäglichen Hindernisse abzubauen, die Menschen vom Radfahren abhalten. CycleHacks können physische Produkte sein, digitale Anwendungen, Kampagnen oder neue Vorschläge zur Fahrradinfrastruktur. Wir wollen verschiedene Disziplinen und Perspektiven zusammenbringen, um gemeinsam innovative Lösungen zu finden.

Zu Beginn der Veranstaltung am Freitag ab 19:00 Uhr finden sich Gruppen zusammen, um Ideen für einen Hack auszubrüten. Sonnabend und der erste Teil des Sonnatgs sind für Teamarbeit und spontane Workshops reserviert, bevor dann am Sonntag als Abschluss eine öffentliche Präsentation der Ergebnisse stattfindet. Wer selbst keine Idee für einen Hack hat, der sollte trotzdem erwägen, teilzunehmen, denn es bietet sich immer an, vorhandene Ideen anderer Gruppen zu unterstützen. Und wer partout nicht mag, der kann sich Sonntag zwischen 15:00 und 17:00 Uhr anschauen und staunen, wieviel Ideen in knapp zwei Tagen umgesetzt werden können.

CycleHack Berlin

Oh diese Radler!

Exakt 98 Seiten voller Radfahrerkarikaturen und Velobildgeschichten versammelt ein Anfang des letzten Jahrhunderts erschienener Band mit dem Titel „Oh diese Radler!“. Unterbrochen werden die Bilderstrecken durch Witze und – nun ja – lustige Gedichte wie das vom modernen Erlkönig:

Wer radelt so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Es saust der Alte so schnell wie der Blitz,
Doch schwankt der Knabe auf schmalem Sitz.

„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“
„Siehst, Vater du den Schutzmann nicht?
Den Schutzmann dort mit dem Helm von Stahl?“
„Mein Sohn, es ist ein Laternenpfahl!“ (Seite 12f)

Nicht jeder gezeichnete Witz ist heute noch spaßig, nicht jedes Gedicht amüsant, aber man kann beim Durchblättern recht gut nachvollziehen, wie das Fahrrad vor mehr als hundert Jahren manches Weltbild zum Einsturz brachte.

Auf diese Perle der Fahrradliteratur macht wie auf viele weitere Fahrradquellen der Twitteraccount Radfahrerwissen aufmerksam. Dahinter steckt Jens Bemme, Veloimker sowie Tourenbuch- und Dorfbackofenforscher.

SLUB Dresden: Oh diese Radler!
Radfahrerwissen bei Twitter
Jens Bemme

PARK(ing) Day in Berlin

Am Freitag – 15. September 2017 – wird an mehreren Orten in Berlin die automobile Wirklichkeit perforiert: zwar wird brav ein Parkticket gekauft, nur werden die Flächen autofrei bleiben! Wir zeigen die massive Platzverschwendung durch Parkfläche für Autos in den Städten auf und stellen Alternativen zum Auto-Parkplatz vor:
Stadt-Grün es wäre Platz für Blumenkübel oder Bäume
Straßencafés gerne sitzen wir in der Sonne und genießen unseren Kaffee
Fahrradbügel auf einen Schlag Platz für bis zu 10 Fahrräder
Spiele ein Schaukelpferd oder eine Wippe laden Kinder ein
Parkbank hinsetzen, ausruhen oder miteinander plauschen

Der PARK(ing) Day wird weltweit immer am dritten Freitag im September seit dem Jahr 2005 veranstaltet und soll Alternativen aufzeigen zur Blechwüste in unseren Straßen. In Berlin besitzt lediglich ein Drittel der Menschen ein Kraftfahrzeug, dieses Drittel der Einwohner besetzt aber gefühlt hundert Prozent des Straßenraums. Nehmen wir uns unseren Anteil am Straßenraum zurück, nicht nur am Park(ing) day.

An diesen Orten wird umgePARKt:
Kreuzberg Bergmannstraße, zwischen Schenckendorf- und Nostitzstraße (11:00 bis 16:00 Uhr)
Prenzlauer Berg Teutoburger Platz Nachbarschaftshaus (15:00 bis 19:00 Uhr)
Prenzlauer Berg Christburger Straße
Neukölln Böhmischer Platz (14:00 bis 22:00 Uhr)

PARK(ing) Day Berlin

 

Der ADFC checkt dein Rad!

Wenn du dich sicher im Straßenverkehr bewegen willst, dann brauchst du ein sicheres Fahrrad. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club checkt an den nächsten Wochenenden kostenlos dein Rad und macht es fit für die schmuddelige und dunkle Jahreszeit. ADFC-Mechaniker prüfen dein Rad auf Verkehrssicherheit und machen Licht- und Bremsanlagen wieder ganz. Auch kleinere Reparaturen werden kostenlos vor Ort erledigt. Außerdem gibt es die Möglichkeit sein Fahrrad codieren zu lassen, um es besser gegen Diebstahl zu sichern.

Bei größeren technischen Problemen wird eine Check-Liste übergeben, zusammen mit Kontaktadressen von Berliner Fachhändlern, an die man sich zwecks Reparatur wenden kann.

Während dein Fahrrad geprüft und repariert wird, geben ortskundige ADFC-Berater Tipps, wie man auf fahrradfreundlichen Routen durch Berlin fahren kann. Zusätzlich werden alle Teilnehmenden mit einem Verkehrssicherheits-Quiz über die neuesten Verkehrsregeln zum sicheren Radfahren informiert und können dabei auch etwas gewinnen.

Alle Termine:

Sonnabend, 2. September 12:00 bis 19:00 Uhr:
Tempelhof UfaFabrik Boulevard, Viktoriastraße 10 – 18

Sonnabend, 9. September von 10:00 bis 17:00 Uhr
Zehlendorf S-Bahnhof Zehlendorf, Teltower Damm / Machnower Straße

Sonnabend, 23. September 2017 von 10:00 bis 17:00 Uhr
Kreuzberg Spreewaldplatz

Sonnabend, 7. Oktober von 10:00 bis 17:0 Uhr
Mitte Brunnenstraße / Veteranenstraße

In wie spitzem Winkel kann man auf dem Rad Straßenbahnschienen sicher überqueren?

Eines ist klar: wer mit dem Fahrrad Schienen im 90-Grad-Winkel überquert, fährt sicher. Wer dagegen in ganz spitzem Winkel über Schienen fährt, hat ein hohes Risiko, in den Schienen zu Fall zu kommen. Drei Forscher der University of Tennessee-Knoxville haben Fahrradunfälle auf Schienenübergängen systematisch untersucht. Dazu verwendeten sie Videoaufnahmen, die von einem Bahnübergang an einer vielbefahrenen vierspurigen Straße in Knoxville innerhalb von zwei Monaten im Jahr 2014 gemacht wurden. Die Straße hatte auf der einen Seite einen straßenbegleitenden Radweg. Im Untersuchungszeitraum wurde die Straße von 13.247 Radfahrern genutzt, darunter waren 9.521 Radfahrer, die auf dem Radweg in beiden Richtungen fuhren. Insgesamt passierten in der Zeit 53 Unfälle von Radfahrern bei der Schienenüberquerung. Die Forscher machten eine Zufallsauswahl von 100 erfolgreichen Schienenüberquerungen, verglichen sie mit den Alleinunfällen und suchten nach den Faktoren, die einen Fahrradunfall begünstigen. Das Ergebnis: je größer der Winkel bei der Überquerung von Schienen ist, desto sicherer ist es. Der Schwellenwert liegt bei etwa 30°. Weitere Faktoren, die einen Fahrradalleinunfall an Schienenübergängen begünstigen, sind nasse Fahrbahnen, Gruppenfahrten von mehreren Radfahrern und merkwürdigerweise auch das Geschlecht. Frauen verunglücken nach ihrer Untersuchung häufiger auf Schienenübergängen als Männer.

Was heißt das nun für Leute, die parallel an Straßenbahnschienen entlang fahren und hinüber wollen? Ich selbst habe immer noch Respekt vor Schienen und konzentriere mich, bevor ich entschlossen den Lenker herumreiße und in einer Art S-Form fahre, um in einem möglichst großen Winkel die Schien zu queren. Und ich hüte mich vor Stellen, an denen Schienen selbst abzweigen und man plötzlich eine Vielzahl von Schienen queren muss.

Journal of Transport & Health: Factors influencing single-bicycle crashes at skewed railroad grade crossings
Velojournal: Je steiler desto besser

Schweiz: Radfahren wird Teil der Verfassung

Seit 2015 will die schweizer Velo-Initiative erreichen, dass das Velofahren in der Bundesverfassung ebenso verankert wird wie das Wandern und zu Fuss gehen. Die Kantone sollen weiterhin zuständig sein und sich dabei auf übergeordnete Vorgaben abstützen. Der Vorschlag der Velo-Initiative sieht vor, den Artikel 88 der Schweizer Verfassung folgendermaßen zu verändern:

„Art. 88 Fuss-, Wander- und Velowege
1 Der Bund legt Grundsätze über Fuss- und Wanderwegnetze und über Netze für den Alltags- und Freizeit-Veloverkehr fest.
2 Er fördert und koordiniert Massnahmen der Kantone und Dritter zur Anlage und Erhaltung attraktiver und sicherer Netze und zur Kommunikation über diese; dabei wahrt er die Zuständigkeiten der Kantone.
3 Er nimmt bei der Erfüllung seiner Aufgaben Rücksicht auf solche Netze. Muss er dazugehörende Wege aufheben, so ersetzt er sie.“

Nachdem dieser Vorschlag von der Regierung lange abgelehnt worden war, hat die Landesregierzung auf ihrer heutigen Sitzung beschlossen, ihren direkten Gegenentwurf zur Veloinitiative in die parlamentarische Beratung zu geben. Die Velo-Initiative geht dem Bundesrat aber zu weit. Vor allem will er keine neuen finanziellen Verpflichtungen eingehen. Auch eine Vorschrift über die Sicherheit der Wander- und Velowege soll fallengelassen werden.

Velo-Initiative Schweiz
Velojournal: Bundesrat will das Velo in der Verfassung